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Laufende Rückforderungsklagen gegen unlizenzierte Online-Casinos in Deutschland erreichen neue Phase

Geschrieben von Alex Berger · 30.5.2026

Laufende Rückforderungsklagen gegen unlizenzierte Online-Casinos in Deutschland erreichen neue Phase

Gerichtsgebäude in Deutschland mit Fokus auf Glücksspielrecht

Mehrere parallele Verfahren vor deutschen Gerichten befassen sich derzeit mit der Frage, ob Spieler Verluste aus der Zeit zwischen 2012 und 2021 von Betreibern unlizenzierter Online-Casinos zurückfordern können, während diese Fälle teilweise an den Europäischen Gerichtshof verwiesen wurden.

Die Kläger stützen ihre Argumentation darauf, dass die Betreiber während der Geltungsdauer des Glücksspielstaatsvertrags keine rechtliche Grundlage besaßen, um die eingezahlten Beträge einzubehalten, und verweisen dabei auf mögliche Konflikte mit europäischem Recht.

Hintergründe der deutschen Glücksspielregulierung zwischen 2012 und 2021

Der zwischen den Bundesländern geschlossene Glücksspielstaatsvertrag schuf von 2012 bis 2021 eine einheitliche Verbotslage für private Online-Casino-Angebote ohne entsprechende Erlaubnis, und diese Regelung führte dazu, dass zahlreiche ausländische Anbieter ihre Dienste weiterhin deutschen Nutzern zugänglich machten.

Spieler, die während dieses Zeitraums Verluste erlitten, leiten nun Schadensersatzansprüche ab, indem sie geltend machen, dass die verbotswidrige Tätigkeit der Anbieter eine Rückzahlungspflicht begründe, während die genaue Reichweite solcher Ansprüche von der künftigen Auslegung durch höhere Instanzen abhängt.

Verweisungen an den Europäischen Gerichtshof und offene Rechtsfragen

Einige deutsche Gerichte haben einzelne Streitpunkte dem Europäischen Gerichtshof zur Vorabentscheidung vorgelegt, wobei die zentrale Frage lautet, inwieweit das damalige nationale Verbot mit den unionsrechtlichen Vorgaben zur Dienstleistungsfreiheit und zum Verbraucherschutz vereinbar war.

Die Entscheidungen des EuGH werden in den kommenden Monaten erwartet, und Beobachter rechnen damit, dass die Urteile die rechtliche Bewertung der Rückforderungsansprüche maßgeblich beeinflussen könnten, ohne dass bereits absehbare Ergebnisse vorliegen.

Potenzielle finanzielle Folgen für die betroffenen Betreiber

Erfolgreiche Klagen könnten Betreiber mit Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe konfrontieren, da die kumulierten Verluste vieler Spieler über den genannten Zeitraum betrachtet werden und die Verfahren derzeit noch in unterschiedlichen Instanzen laufen.

Rechtsexperten weisen darauf hin, dass die tatsächliche Durchsetzbarkeit solcher Ansprüche von weiteren Faktoren wie Verjährungsfristen und der konkreten Ausgestaltung der einzelnen Vertragsverhältnisse abhängt, während die Betreiber bislang keine einheitliche Verteidigungsstrategie öffentlich dargelegt haben.

Symbolbild zu Online-Glücksspiel und rechtlichen Entwicklungen in der EU

Auswirkungen auf weitere mögliche Ansprüche und den aktuellen Markt

Ein positives Ergebnis für die Kläger könnte nach Einschätzung von Prozessbeobachtern weitere gleichgelagerte Forderungen nach sich ziehen und damit die Zahl der anhängigen Verfahren spürbar erhöhen, doch die Entwicklung hat bislang keine Auswirkungen auf die Verfügbarkeit legaler und regulierter Angebote für deutsche Spieler gezeigt.

Die regulierten Anbieter, die seit Inkrafttreten des neuen Staatsvertrags über eine Lizenz verfügen, bleiben von den laufenden Rückforderungsverfahren unberührt, während die Marktanteile lizenzierter Plattformen nach Angaben der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder weiterhin stabil bleiben.

Zeitlicher Kontext und weitere Verfahrensschritte bis 2026

Im Mai 2026 stehen mehrere mündliche Verhandlungen vor deutschen Oberlandesgerichten an, und die Ergebnisse dieser Termine werden voraussichtlich Aufschluss darüber geben, ob die Verfahren in eine breitere Sammelklagen-ähnliche Struktur übergehen oder einzeln entschieden werden.

Die beteiligten Parteien bereiten sich derzeit auf unterschiedliche Szenarien vor, während die Europäische Kommission in Brüssel die Entwicklungen verfolgt, ohne bislang eigene Stellungnahmen abgegeben zu haben.

Zusammenfassung der aktuellen Lage

Die beschriebenen Verfahren bilden einen noch offenen Rechtsstreit, dessen Ausgang von der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs und nachfolgenden nationalen Entscheidungen abhängt, und sie werfen grundsätzliche Fragen zur Rückwirkung von Glücksspielverboten auf, ohne dass bereits abschließende Bewertungen möglich sind.

Betroffene Spieler und Betreiber warten auf weitere Klarstellungen, während der regulierte deutsche Online-Glücksspielmarkt parallel seinen eigenen Entwicklungsweg fortsetzt. EUR-Lex bietet ergänzende Informationen zu den relevanten EU-Rechtsgrundlagen, und Berichte der OECD liefern vergleichende Daten zu Glücksspielregulierungen in weiteren Mitgliedstaaten.